Das neue Goblin Press Buch ist erschienen (Februar 2001):
![]() |
Marco Meier & Jörg B.-Kleudgen: Hagazussa Es sind viele Vollmonde vorüber gegangen, ohne ein neues Lebenszeichen aus dem Hause Goblin-Press; doch nun endlich erschien der neue Roman. Und nach all der Zeit gibt es ein Novum, das aufhorchen läßt: Es ist das erste Buch, das "richtig" gedruckt wurde! Dies brachte selbstverständlich auch einige Veränderungen im Layout mit sich, an die ich mich, als "alter" GP-Fan, erst gewöhnen muß, die aber ob ihrer Art & Weise überzeugen und mir die "Eingewöhnung" leicht machen. Einer der beiden Autoren, Marco Meier, hat das Handwerk des Typographen regelrecht gelernt, daher sicher auch die wahrlich professionelle Ausgestaltung. |
Was fällt äußerlich auf? Nun, da wären zum einen die leicht verwaschen-verwackelten Photoaufnahmen von historischen, romantischen, dunklen Orten, die sicher nur indirekt einen Bezug zur Erzählung besitzen, aber deren Stimmung sehr gut unterstützen (in den anderen GP-Büchern wurden ja ausschließlich Zeichnungen verwandt).
Form und Inhalt bilden eine Einheit. Da wird jedes Kapitel mit einem seltsamen Zeichen eingeleitet und überschrieben. Diese Zeichen befinden sich auch auf dem Cover, stehen gleichsam als unleserlicher Untertitel auf dem Umschlag. So viele Zeichen dieses "Wort" hat, so viele Kapitel besitzt der Roman. Dieses kryptische Wort fand einer der Helden der Story auf einem ausgedehnten Spaziergang am Mauerwerk.
Jedes Kapitel ist mit einem Zitat eingeleitet worden, das natürlich einen indirekten Bezug zum Erzählten aufweist.
Die beiden Autoren haben "ihre" Kapitel, so erscheint es zumindest, denn es gibt zwei Hauptpersonen, die jeweils ihre Erlebnisse aus ihrer Sicht in der "Ichform" erzählen.
Beide "Helden" sind sozusagen im Urlaub, weit voneinander entfernt, befreundet und unabhängig voneinander in ähnliche Dinge verwickelt, die ihnen dann natürlich über den Kopf wachsen und sie zu Opfern machen.
Marco Meier Schweizer berichtet von einem Schweizer Ort, Jörg B.-Kleudgen Ehemals Koblenzer berichtet aus dem Eifelgebiet.
Für beide endet ihr Kurzurlaub in verwirrenden Erlebnissen und endlich im Grauen. Die Spannung wird langsam aufgebaut; beide entdecken diese seltsamen Zeichen, müssen erfahren von einer Sekte, die im Mittelalter entstand und wohl noch heute überaus aktiv ist und von Hexenglauben und magie.
Beide haben ihre Erlebnisse mit Frauen, die in beiden Fällen nicht glücklich enden, wenn auch auf unterschiedliche Weise.
Nun, wer die Erzählungen Jörg B.-Kleudgens kennt, weiß, daß hier nicht mit großen Geschützen aufgefahren wird, daß das Grauen mitunter nur angedeutet wird, sich die Handlung eher in Melancholie und herbstlicher Tristesse ergeht, ehe das Grauen zum Vorschein kommt. Diesem Stil hat sich auch sein Co-Autor angepaßt zumindest vermutet ich dies einfach so, denn dessen Schreiberfahrung dürfte noch nicht so reichhaltig sein; andererseits kenne ich von ihm zu wenig, um dies einschätzen zu können. Daher war für mich anfangs auch kaum zu unterscheiden, wer welchen Teil der Erzählung verfaßte. Das "System" war dann aber schon leicht zu durchschauen Schweiz/Eifelgebiet.
Sowohl die Schreibe Jörg B.-Kleudgens, als auch die von Marco Meier zeichnet u.a. aus, daß auf Alltäglichkeiten sehr detailliert eingegangen wird sicher, um den Leser in Ruhe und Sicherheit zu wiegen, um den Kontrast zum langsam sich aus seinem Grab erhebenden Grauen deutlicher zu machen. Doch ist diese Methode nicht unbedingt leicht zu beherrschen; mitunter waren mir die Schilderungen des Schweizers zu belanglos, der so weit ging, genau zu beschreiben, welche Wurstsorte auf das Frühstücksbrot kam. Andererseits: 100%ig weiß ich natürlich gar nicht, ob diese Passage wirklich von ihm war; denn was ich über die Zweiteilung Schweiz/Eifel schrieb, ist nur eine Vermutung...
Insgesamt geht es in dem Kurzroman um ein in der Phantastik oft kolportiertes Thema: Die Bedrohung durch eine religiöse Untergrundbewegung, die die Protagonisten unmittelbar und physisch ereilt, die übrige Welt aber als dunkle Gefahr allgegenwärtig zu überschatten droht.
Und es endet nicht unbedingt glücklich...
Der Roman ist eine wundervolle "Kaminfeuer / am-warmen-Ofen-und-im-Ohrensessel-kauernd"-Lektüre, die spannend unterhält, aber das Genre nicht neu erfindet.
© 2000 by Marco Meier und Jörg Bartscher-Kleudgen, 156 Seiten, DM 17.00, Bezug: Jörg B.-Kleudgen, Droste-Hülshoff-Str. 1, 59757 Arnsberg-Neheim