Eddie
M. Angerhuber: In Asmodis Haus
Die großen Verlage schränken immer mehr ihre TB-Publikationen
in Sachen SF&F ein, in die Lücke springen dafür semiprofessionelle
und Small Press Verlage. So wird nun auch im Hause GOBLIN PRESS verstärkt
auf das Taschenbuch gesetzt. Allein Ende 1997 erschienen drei TBs, von
denen eines einem dem SOLAR-X-Leser wohlbekannten Namen gewidmet ist.
Man sollte nicht meinen, den Autor gut zu kennen; in "In Asmodis Haus" zeigt Eddie jedenfalls neue Aspekte. Von der psychologischen Fantasy, über gothischen Gruselstoff, dem surrealistischen Märchen, zum "gelben" Horror (beeindruckt und beeinflußt durch den italienischen Horrorfilmer Argento) und der viktorianischen Erzählung spannt Eddie den Bogen in dem kleinen und feinen Büchlein. Insgesamt sieben Erzählungen (plus "Ausklang"), fast alle exklusiv für diesen Band entstanden, sind in den 160 Seiten vereint, der wie ein OEvre-Querschnitt wirkt.
Zum Lektüregenuß trägt auch die sehr schöne Ausgestaltung des Bandes bei: Weißer Leinenkarton-Einband, wunderhübsche Graphiken des Herausgebers Jörg Kleudgen, stabile Bindung und auch sonst ein ziemlich professioneller Eindruck des Buches fallen dem Leser auf. (Wobei betont werden muß, daß es sich bei der GOBLIN PRESS nicht um einen professionellen Verlag handelt.)
Wirklich mißfallen hat mir keine Geschichte, auch wenn sicher nicht alle von gleicher Qualität waren. Die erste Story des Bandes, "Lysianthus", entführt den Leser ins sonnige Rom, ins Zentrum Argento'nischen Horrors. Dem Stil der Geschichte merkt man sehr deutlich den Einfluß des Filmemachers an. Ich hätte nie gedacht, daß dies so zu bewerkstelligen wäre und bin sehr beeindruckt. Ich fühlte mich sehr beim Lesen in ein Argento-Szenario (ein nicht verfilmtes wohlgemerkt!) versetzt. Protagonistin ist natürlich ein junges Mädchen, die aus Studienzwecken ein altes Haus besucht und dort in ein absurdes und unwirkliches Abenteuer verstrickt wird.
Die Titelstory ist ein surrealistischer Traum, der eigentlich erst in den letzten Zeilen zum Alptraum, zum Horror wird. Ansonsten erinnerte mich die Erzählweise an die Rotkäppchenadaption "Zeit der Wölfe". Verschnörkelt und verspielt werden die Erlebnisse eines Mädchens, das aus irgendeiner unverständlichen Tradition heraus eine Zwergen- oder Spielstadt inmitten eines Labyrinths bewacht und eine Begegnung mit einem verführerischen Mann hat. Nun, man könnte darin eine fantastische Initiationsgeschichte mit freudianischer Tiefe vermuten...
"Der Duft der Einsamkeit" gemahnt an die viktorianische Zeit, mit ihrer Affinität zum Altägyptischen.
"Die weiße Rose" hält die größte Überraschung bereit für einen Angerhuber-Fan, denn die Story ist fast reine Fantasy; so hat man es bei Eddie noch nicht gelesen. Allerdings wäre man sicher im falschen Film, wenn diese Fantasy so 08/15-mäßig daherkäme, wie es das Genre vermuten läßt; im Gegenteil, es wird ziemlich verzwickt und verschlüsselt.
Auch eine typische Weird Fiction Story ist dabei, aber angesiedelt im Bayrischen, was schon recht ungewöhnlich ist.
Nun, ich möchte mich gar nicht groß über die einzelnen
Stories auslassen, sondern potentiellen Lesern die Entdeckerfreude lassen.
Ich empfehle auch, sich beizeiten das Buch zu ordern, denn es wird sicher
nicht lange vorrätig sein...