Michael Tillmann: Das Grinsen im Labyrinth

Goblin Press 
gelesen von Thomas Hofmann

Im Untertitel trägt das Heftchen die Genrebeschreibung: ,sarkastische, phantastische, ironische und morbide Stories". So viel hat in rund 50 Seiten nicht Platz? Doch, schon, wenn man so kurz und bündig schreibt wie Michael Tillmann.

Den SX-Lesern stellte sich Michael mit einem ähnlich kurzem SF-Text vor, bei dem es bereits beim Eintippen Irritationen gab. Und zugegeben, vom Hocker gerissen hat mich diese SF-Vignette auch nicht gerade, auch wenn ich die physikalischen Bedenken nicht teilen kann, und solche vielleicht im Rahmen einer Beurteilung einer wirklich ernst gemeinten Hard-Core-SF-Story eher angebracht wären.

SF ist wohl (noch) nicht das Metier des Michael Tillmann, die mit oben zitierten Worten umrissenen Felder durchaus. SF ist auch nicht zu erwarten in dem Heft. Seine Stories erinnerten mich in Thematik und Stil mächtig an die 20er Jahre, insbesondere an die skurrilen Einfälle und total unwissenschaftlichen Weltraum-Geschichten eines Paul Scheerbarth. Michael läßt den Leser die Entstehung des Universums durch das Wirken von Dämonen, den Absturz eines Meteors auf die Erde aus der Sicht des Meteors und die Eindrücke und Träume vieler dem Wahnsinn verfallener Protagonisten erleben. Er gewinnt durch seine unorthodoxe Herangehensweise und sehr phantastischen Einfälle, vielleicht weniger durch seinen noch unvollkommenen Stil und die mitunter schmerzende Kürze der Texte. Oh, ich wünsche mir mal eine längere Novelle, die reiflich ausformuliert wird, von ihm!

Ansonsten brilliert das Heft durch seine liebevolle Aufmachung (Illus von Bernd Jans); u.a. sticht der violettene Einband mit dem von einem Labyrinth unterlegten cthulhuiden Wesen ins Auge.

Statt eines Nachwortes fügt Herausgeber Jörg Kleudgen noch eine kleine Story - sozusagen im Tillmann'schen Stil an.