Johnny Wallmann: Auferstehung dunkler Herzen

Auch wenn Johnny Wallmann gebürtiger Brasilianer ist, steht seine Phantastik auf handfesten europäischen, anglophilen Füßen. Davon konnte man sich ja seit geraumer Zeit in diversen Fan- und Magazinen überzeugen.

Ehe es im Hause GOBLIN-Press mit einer kleinen Flut von Taschenbuch-Publikationen losgeht, möchte ich an dieser Stelle noch diesen Nachtrag über die Reihe interessanter Heftveröffentlichungen dieses Small Press Verlages loswerden.

Der Herausgeber verspricht Horrorstories im Stile Lovecrafts im modernen Gewand. Doch nichtsdestotrotz wartet der Autor mit einer sehr abwechslungsreichen Auswahl auf, die den Leser zu überraschen versteht - sowohl hinsichtlich der Themen, der Sujets, als auch die Ausarbeitung betreffend.

Die erste ist eine klassische Weird Fiction Story. Ihr vorangestellt ist aber ein Zitat Dänikens. Nun, daß Däniken von Lovecraft gar nicht unbedingt so weit entfernt sein muß, wird schnell klar, wenn man einmal in die Verwicklungen esoterischer u.a. "Geheimwissenschaften" des 20. Jahrhunderts hinabtaucht. Auch Däniken hat sich nicht alles aus seinen Fingern gesogen, sondern kräftig aus dem Schatz abwegigen Gedankengutes geschöpft, zu dem nicht zuletzt Lovecraft einiges beigetragen hat.

In "Traumgeister" - also der ersten Geschichte - und in "Das Zeitalter der Götter" wird die Wiederkehr uralter Gottheiten thematisiert, die sich ankündigt durch physische und psychische Deformierung von Menschen. So wird in "Traumgeister" der Leser mit einem psychiatrischen Phänomen konfrontiert, das aber einen überaus schaurigen Hintergrund hat, den der behandelnde Arzt Schritt für Schritt erkennen muß.

"Das Zeitalter der Götter" wird eingeleitet durch eine humane Rückentwicklung unter kosmischem (?) Einfluß. - So oder so, wir hätten wohl nichts Gutes zu erwarten, wenn sich diese düsteren Prophezeiungen erfüllten...

Die Bedrohung der menschlichen Gesellschaft ist allgegenwärtig. Der Autor läßt keinen Zweifel daran, daß die Übernahme im vollen Gange ist.

"Inseln inmitten der Hölle" versetzt lovecraft'schen Schrecken ins Mittelalter. Es geht um die schwarzmagische Kraft verbotener Bücher, um den Wahnsinn des Wissens und die böse Kraft des geschriebenen Wortes. Auch wenn es um geheime Bücher und eine Klosteranlage geht, sollte man keinen "Name der Rose"-Verschnitt erwarten.

"Das Licht des Verschlingers" widmet sich wieder einem anderen Thema. Hier ist es die bösartige Aura eines Artefaktes. Eine alte Lampe spendet nicht nur Licht, sondern erzeugt auch Schatten, die zur physischen Gewalt werden. Parallel zueinander werden die Erlebnisse zweier recht unterschiedlicher Männer mit dieser Lampe erzählt. Der eine ist ein Berufskiller, der andere ein frustrierter Familienvater; beide werden zur Bestie - vielleicht waren sie es schon immer, wußten es nur nicht und die Lampe setzte ihre Aggressionen nur ungehemmt frei.

Beide Erzählstränge werden im Grunde nicht zueinander geführt, so daß die Story zweigeteilt bleibt und dadurch etwas unentschlossen wirkt.

Der Stil dieser "Doppelstory" ist geprägt durch genaue Beobachtung, hervorragende sprachliche Bilder und Stimmungserzeugung. Sie wird nicht zum spektakulären Reißer, sondern bleibt interessante, psychologisierende social fiction.

Diese vier Erzählungen zeigen, was in Johnny Wallmann steckt; sicher ist noch einiges ausbaufähig, aber die frische Gedankenvielfalt überzeugt. Ich hatte nicht unbedingt den Eindruck, hier wird nur den großen Meistern des Horrors nachempfunden. Hier ist ein junger Autor, der etwas mitzuteilen hat.

Die Illustrierung übernahm in bewährter Form Bernd Jans.

DIN A 5, 92 Seiten,